POOLOLOGIE

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Es riecht schon wieder beinahe nach Spätsommer und ich war noch immer nicht in irgendeinem Pool. Da läuft was ganz gewaltig schief. Aber apropos Pool. In unzähligen Filmen taucht das kühle, eingerahmte Nass auf: nebensächlich, als Hintergrund in einer Sommerkulisse oder sogar als zentrales Motiv. Es ist ja auch ein unheimlich schönes Bewegtbild-Motiv, wenn sich die Sonne im Wasser bricht und auf den Bodenfliesen changiert, wenn kühler Wind die Wasseroberfläche kräuselt oder neonfarbene Gummflamingos sachte von links nach rechts schweben. Trashig, elegant, fancy, sportlich, gruselig – ein Pool kann so ziemlich alles sein. Die nachfolgende Liste gibt einen kleinen, alles andere als vollständigen Überblick.

La Piscine (1969) von Jacques Deray

Der große Pool-Klassiker mit Romy Schneider und Alain Delon. Sex, Eifersucht und Besessenheit ergeben hier einen hitchcock-esken Strudel und plötzlich sieht das kühle Blau alles andere als erfrischend und unschuldig aus.

© Concorde

© Concorde

The Swimmer (1968) von Sydney Pollack

Was für ein weirder Film. In The Swimmer macht sich Ned (Burt Lancaster) durch die Pools in seinen Nachbargärten auf den Weg nach Hause. Der Pool als Weg, vielleicht sogar als Katharsis oder als Prozess des Vergessens, des Neuanfangs. Ich werde ihn noch mal sehen müssen, um der Bedeutung auf die Schliche zu kommen.

© Columbia TriStar Home Entertainment

© Columbia TriStar Home Entertainment

The Graduate (1967) von Mike Nichols

Der Pool im New Hollywood-Klassiker The Graduate dominiert vor Allem zu Beginn des Films das Bild, wenn Benjamin (Dustin Hoffman) sich darin treiben lässt und den Prototypen des jungen Uni-Absolventen gibt, der noch keine Ahnung davon hat, wo ihn das Leben demnächst hinführen wird. Aufregend und beunruhigend zugleich ist dieses Gefühl.

© Kinowelt Home Entertainment

© Kinowelt Home Entertainment

La Notte (1961) von Michelangelo Antonioni

In Antonionis La Notte nimmt der Pool tatsächlich eher einen nebensächlichen Platz ein. Er befindet sich  in dem Garten, in dem die Neureichen-Party stattfindet, zu der Giovanni (Marcello Mastroianni) und Lidia (Jeanne Moreau) gehen. Und weil Antonioni so ein unvergleichliches Genie war, inszeniert er anhand des Beckens ganz genauso gekonnt die vielzitierte Krankheit der Gefühle wie auch an der norditalienischen Architektur, des Schachbrettmusters in der Gastgebervilla oder der unübersichtlichen Gärten. Eine Figur gelangt in seinen Filmen nie in Einklang mit ihrer Umgebung, sondern hebt sich permanent von ihr ab – entrückt, entfremdet, verunsichert.

© The Criterion Collection

© The Criterion Collection

Boogie Nights (1997) von Paul Thomas Anderson

Paul Thomas Anderson ist unter Anderem bekannt für seine elaborierten Kamerafahrten und auch in Boogie Nights lässt er sich nicht lumpen. Der Pool wird hier zu einem Ort der Dekadenz mit unzähligen jungen, schönen, reichen Menschen. Ein Ort des Kokains und der zwielichtigen Deals, der trashigen Mode und der Möchtegern-Aufsteiger.

© Warner Home Video

© Warner Home Video

Swimming Pool (2003) von Francois Ozon

Swimming Pool von Francois Ozon ist eine Art inoffizielles Remake des Romy Schneider-Films, in dem die Ebenen verschwimmen und nichts mehr so ist wie es scheint. Als sähe man die Welt durch eine aufgewühlte Wasseroberfläche hindurch. Und ein paar verwelkte Blätter schweben auch noch darin.

© Highlight Film

© Highlight Film

Garden State (2004) von Zach Braff

Die Awkwardness, die Zach Braff auszeichnet, zeichnet ihn sogar noch in einem Pool aus. Alle springen in Garden State – er steht schlotternd am Rand. Sam (Natalie Portman) dreht sich nach ihm um – und da hat er keine andere Wahl mehr und paddelt wie ein alter Hund unbeholfen im Wasser. „Kannst du nicht schwimmen, man?“ -„Doch.“ Der Pool als ein Ort, der zwischen Coolness und Nerdtum unterscheidet, zwischen Zugehörigkeitsgefühl und Solitär.

© 20th Century Fox

© 20th Century Fox

The Great Gatsby (2013) von Baz Luhrmann

Auch bei Baz Luhrmann wird der Pool in The Great Gatsby zu einem Anziehungspunkt der Dekadenz. Hier im Zentrum des Gartens finden rauschende Partynächte statt, tanzt die Schickeria New Yorks, werden Champagnergläser gehoben und Federboas geschwenkt, während Fergie von der Party singt, die noch nie jemanden gekillt hat. Ihre Wortwahl ist im Kontext des Films als böses Omen zu verstehen: Gatsbys Dekadenz bedeutet in letzter Konsequenz auch seinen Untergang.

© Warner Bros.

© Warner Bros.

Que Horas Ela Volta? (2015) von Anna Muylaert

Im portugiesischen Drama Que Horas Ela Volta? spielt der Pool eher als Schauplatz und Motiv eine Rolle, denn als treibender Aspekt der Handlung. Er wird hier zu einem Ort, an dem sich soziale Klassenunterschiede zuerst ausdifferenzieren, um dann die Grenzen zwischen den einzelnen Schichten niederzureißen. Er steht für Unterdrückung und später für den Anflug einer Selbstermächtigung. Und wenn sich das Hausmädchen Val (Regina Case) im Mittelpunkt erstmals traut, ihre Beine im Pool der Hausbesitzer zu kühlen, ist das ein regelrecht tränentreibend berührender Augenblick. Dringende Empfehlung!

© Pandora Film Verleih

© Pandora Film Verleih

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2 Antworten zu “POOLOLOGIE

  1. Pingback: Mit Mama und den Watchmen durch die indische Nacht - filmosophie.com·

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