WEEKLY TRAILER-PICK: THAT SUGAR FILM

O Himmel, nächsten Montag eröffnen schon die Weihnachtsmärkte. Wie ist das nur alles schon wieder so schnell gegangen? Bevor ihr die Weihnachtsteller und Nikolausstiefel füllt, habe ich hier im Weekly Trailer-Pick aber noch einen kleinen Tipp für euch.

Welchen Trailer habe ich mir ausgesucht?

In seinem Dokumentarfilm That Sugar Film wagt der Filmemacher Damon Gameau ein gesundheitsgefährdendes Experiment. Er lässt seine Probanden sich gesund ernähren.

© Madman Entertainment

© Madman Entertainment

Was mich an dem Trailer neugierig macht:

Allein der Inhalt ist es schon, der diesen Trailer und ganz bestimmt auch das fertige Werk sehenswert macht. Dass Cola wegen ihres Zuckergehaltes lieber nur in kleinsten Maßen genossen werden, leuchtet ja den meisten Menschen noch ein. Aber was ist mit all den Lebensmitteln im Supermarktregal, auf denen „Fettfrei“, „mit natürlicher Süße“ oder „Diät“ in großen Buchstaben prangt? Dass hier gesunde Ernährung nur vorgekaukelt wird, ist in den meisten Köpfen und Mägen noch nicht angekommen. Dabei ist das Reduzieren von Zucker überhaupt nicht schwer. Nagut, der Anfang ist vielleicht schwer. Aber wenn der erstmal geschafft ist, merkt man plötzlich, dass Lebensmittel einen richtigen Eigengeschmack haben. Dass die Haut besser wird und man wieder ohne Schnaufen die Treppen hoch kommt. Huaaa, wenn ich mir vorstelle, wie viele Löffel Zucker ich als Kind in meinen Tee gekippt habe, wird mir plötzlich ganz anders.

Aber nicht nur inhaltlich halte ich That Sugar Film für einen spannenden Fall, sondern auch im Hinblick auf seine Stilmittel. In den ersten Einstellungen lockt der Trailer nämlich nicht mit abschreckenden Beispielen, sondern mit den Verheißungen einer verführerischen Süßigkeitenwelt. Und auch sonst setzt Gameau auf allerlei technische und visuelle Spielereien, um sein Anliegen an die Zuschauer zu bringen. Fragt sich, wie viel bunte Aufbereitung ein ernstzunehmender Dokumentarfilm eigentlich verträgt, bevor er sich ähnlich manipulativ nennen muss wie die Industrie die er anprangert. Ich hoffe, dass er zumindest sein Ziel nicht verfehlt und den Einen oder Anderen für gesündere Ernährung sensibilisiert. Dann beschwere ich mich gar nicht.

Andere sehenswerte Trailer der letzten Tage:
She’s Beautiful When She’s Angry von Mary Dore
Electricity von Bryn Higgins
Project Almanac von Dean Israelite
The Color of Time von James Franco u.A.
The Age of Adaline von Lee Toland Krieger
Amira & Sam von Sean Mullin
Loitering with Intent von Adam Rapp

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2 Antworten zu “WEEKLY TRAILER-PICK: THAT SUGAR FILM

  1. Lustig. Ich hab vor zwei Wochen den Film „Fed up“ gesehen, der genau dasselbe Thema behandelt.

    Die Kernaussage dürfte dieselbe sein: Zucker ist schlimmer wie Kokain und vergiftet unseren Körper. Was bei „Fed up“ noch klar herausgestellt wurde: Es besteht wenig Zusammenhang zwischen Sport treiben und der Körperfigur. In dem Film werden besonders übergewichtige Jugendliche gezeigt, die sehr viel Sport treiben, aber kein Gramm abnehmen. Schließlich essen sie nur Fertiggerichte, wie Pizza, Burritos usw. Entscheidend sei die Ernährung. Es gelte der alte Grundsatz: Man muss mehr Kalorien verbrennen, als man zu sich nimmt. Spannend bei „Fed up“: Es zeigt auch die wirtschaftlichen Verflechtungen der Industrie mit der dortigen Politik (z.B. Schulküche, Michelle Obamas Bewegungsinitiative). Zudem ist es nicht leicht, den ständigen Versuchungen durch Zucker zu entkommen, da Schokoriegel und Konsorten überall angeboten werden – auch da, wo man es nicht vermutet, beispielsweise in Waffengeschäften. Obwohl: Zuckerbomben haben ja auch was explosives für den Körper.

    Der Unterschied bei den beiden Filmen: „That Sugar Film“ kommt aus Australien und „Fed up“ aus den USA. Neigen besonders die englisch-sprachigen Länder zu Adipositas bzw. Diabetesproblemen? Eine sehr gewagte These, die hier gerne widerlegt werden darf. Zumindest scheinen sich diese Gesellschaften dort damit besonders auseinanderzusetzen.

    • Hey, danke für deinen ausführlichen Kommentar und den Tipp! Ich hab „Fed Up“ bisher zwar noch nicht gesehen, aber die These, dass sich die richtige Ernährung wesentlich stärker auf den Körper ausübt als Sport (wobei Bewegung nicht vernachlässigt werden sollte), kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. Weniger industriell verarbeitete Produkte, weniger Tierisches, damit fahre ich persönlich definitiv besser. Wenn sich diese Konsequenz natürlich auch nicht immer durchhalten lässt.
      Der industrielle Aspekt dabei ist aber auch irre spannend. Es hat schon eine gewisse Ironie, dass die gleiche Industrie, die dich mit Zucker und Chemie abfüllt, dir im nächsten Regal Diätmittelchen und Vitaminpillen verkauft…

      Was die Herkunftsländer der Dokus angeht… interessante Frage. Nun sind die Deutschen ja nicht unbedingt für ihre Schlankheit bekannt. Aber in jedem Fall sind sie „schwierigere Kunden“ als die Leute anderswo. Nicht umsonst hat McDonalds nur hierzulande seine Signaturfarbe auf Grün statt das reguläre Rot-Gold umgestellt. Es dreht sich alles um das Suggerieren von Bio, Natürlichkeit, Gesundheit. Auf der anderen Seite wird dann aber wieder zugelassen, dass die Tiere mit genmanipuliertem Futter abgespeist werden dürfen, damit der Burger ein paar Cent billiger bleiben kann. Aber das kriegt der Verbraucher ja gar nicht mit.

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