8 AUGEN FÜR EIN HALLELUJA: NETWORK

Es ist ganz schön schwer, konzentriert einen Film zu sehen, wenn man dabei mit dem Kopf am Fußende liegen und so permanent steil zum Fernseher hochschauen muss, damit sich der Mitgucker auf der anderen Seite des Raumtrenners nicht so allein fühlt. Na, wir haben es überlebt, auch wenn wir von 8 Augen für ein Halleluja diesmal wieder nur sechsäugig waren. Mit mir als der Henne im Korb, denn Kitty fehlte. Nächstes Mal wieder?

Diesmal: Network von Sydney Lumet

© MGM Home Entertainment

© MGM Home Entertainment

Wieso wir den Film ausgewählt haben:

Chris und ich, wir haben eine ausgeprägte Schwäche für den Humor von Jan Böhmermann – und ganz besonders für die vielen Medieninterna, die der gute Mann im Radio so gern ausplaudert. Vielleicht, weil wir selbst leidlich erfolgreich im Mediengeschäft herumkrebsen. Jedenfalls muss man auf dieses Haifischbecken gut vorbereitet sein, soviel haben wir schon verstanden. Und welcher Film wäre als Lektion wohl besser geeignet als die Mediensatire Network?

© MGM Home Entertainment

© MGM Home Entertainment

Unsere Wertungen:

Katrin: „Manchmal ist das etwas kompliziert, einen Film zu schauen, von dem man im Vorfeld weiß, dass es zum guten Ton gehört, ihn herausragend zu finden. Ich habe Network an unserem Filmabend zum ersten Mal gesehen – und fand ihn tatsächlich herausragend. Auf einer anderen Ebene aber auch wirklich anstrengend, denn die Inszenierung entspricht einfach nicht mehr den Sehgewohnheiten unserer Zeit. Sydney Lumet legt (was ja durchaus passt) einen sehr trockenen Stil an den Tag, lässt die Handlung einige Kapriolen schlagen, dann wieder leicht dahinplätschern und ist auch visuell nicht der aller beeindruckendste Visionär. Es geht hier eigentlich auch weniger darum, eine spezielle Geschichte nachzuerzählen, als vielmehr ein komplexes Bild zu zeichnen. Das ist definitiv hervorragend gelungen. Und es ist schon erstaunlich: all der Pessimismus, den wir heute zu hören bekommen – die neuen Medien verderben die Jugend, wer viel auf Bildschirme starrt, ist zu zwischenmenschlichen Beziehungen kaum noch in der Lage, … (beliebige Medienschelte hier einsetzen) – funktionierte schon in den 1970ern mit genau den gleichen Argumenten. Insofern ist Network ein hochgradig aktueller Film und ich vergebe…“
8 von 10 „Leck mich am Arsch“ aus dem Fenster rufenden Fernsehzuschauer

Chris: „Wenn der Vorklatscher zuhause fehlt. Ach. Ich rechtfertige erstmal, dass ich den Film vorschlug, indem ich mich auf einen Recherchieranfall nach der Grimmepreisverleihung berufe, die unter anderem im Verweis auf den Film mündete. Dass Medien über Medien immer schwierig sind, ist bekannt. Hallo Internet. Es kreierte schon die Momente des verzweifelten Nickens des Verständnisses und dem verzweifelten Kopfschüttelns über die Auslegung dieser Zustände. So möchte man bei jeder Quotendebatte mitrufen. Der schroffe Alltag bietet da einige nette Momente, jedoch nahmen mich die Charaktere nur bedingt mit und die Geschichte lief leider auch nur so dahin, so das sie Teil der Kette blieb, die so doch zerstören möchte im Film. Ihr alten Filme könnt doch sonst oft so gute Storys. Hatte euch die Branche schon kaputt gemacht?“
5 von 10 „Leck mich am Arsch“ aus dem Fenster rufenden Fernsehzuschauer

Tobi: „Wieder einmal war ich mit dem Umstand gesegnet, den Film, den wir uns zu Gemüte geführt haben, nicht zu kennen. Hätte ich es gewusst und von Vornherein Informationen eingeholt, hätte ich wohl keine Lust auf „Network“ gehabt, denn der Film brach mit den heute gewohnten Spannungsbögen und Handlungsabläufen. Über weite Strecken wusste ich nicht so recht, wo das Ganze Taktieren und Ränkeschmieden innerhalb der Fernsehsender eines Amerika der 70er Jahre mit mir hin möchte und so war ich nach kurzer Zeit doch relativ ernüchtert und gar gelangweilt. Gegenüber dem Bruch mit meinen üblichen Sehgewohnheiten wohnte dem Film jedoch ein Unterton inne, der trotz seines Alters auch auf das heutige Business übertragen werden kann: Geld regiert die Welt – und rollt über die hinweg, die sich ihm in den Weg stellen. Dementsprechend schafft der Film das was er will, nämlich die absurden seelischen Abgründe und Abläufe von machthungrigen Menschen in Führungspositionen und die Macht des Geldes darzustellen. Dies jedoch in einem etwas angestaubten Gewand, welches sich über eine zu lange Filmdauer vor dem Zuschauer entrollt. Dementsprechend gebe ich Network…“
6 von 10 „Leck mich am Arsch“ aus dem Fenster rufenden Fernsehzuschauer

Advertisements

3 Antworten zu “8 AUGEN FÜR EIN HALLELUJA: NETWORK

  1. Pingback: TOP 10 – JULI 2014 | l'âge d'or·

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s