MEIN LEBEN IN 15 SONGS

Es hat mich mal wieder ein Stöckchen von ERGOThek getroffen (vielen, vielen Dank!), das mich dieses Mal ganz besonders gefreut hat. Denn es sorgt für Abwechslung, für Nostalgie und Spaß: es geht um Musik. Und eh jemand von der Auswahl meiner Lieder irritiert ist, sei diesem Jemand gesagt, dass es sich hier nicht um eine Bestenliste handelt. Sondern um 15 Songs, die ich in irgendeiner Weise mit meinem Leben verbinde, die mir etwas bedeuten oder die mich an eine bestimmte Zeit erinnern. Wow, und mir ist aufgefallen, dass mein Musikgeschmack bis heute eine ganz schöne Wandlung durchgemacht hat. Man wünscht sich doch immer einen Soundtrack für das eigene Leben. Das hier ist er wohl.

© Katrin Doerksen

© Katrin Doerksen

01. Baha Men – Who Let the Dogs Out? (2000)
Was für ein Start. Aber das hier ist ja schließlich keine Topliste. Tatsächlich verbinde ich mit diesem etwas fragwürdigen Song meine Grundschulzeit. Mit neun, zehn Jahren bekam ich das erste Mal bewusst etwas von Musik außerhalb der Kirche mit – und damals lief dieses Ding eben in den Radios rauf und runter. Bei jedem Schulfest hallte der Schrei aus tausend Kehlen durch die Sporthalle: „Who Let The Dogs Out? Who, who, who!“ Ich wusste nicht, wer das singt, was das heißt, ich wusste nur: für mich war es neu. Und noch heute krieg ich sofort Déjà-Vus bei dem Gedanken an das Lied.

02. French Affair – My Heart Goes Boom (LaDiDaDa) (2000)
My Heart Goes Boom war wahrscheinlich mein erster wirklicher Lieblingssong. Der war auf meiner Top of the Pops-CD drauf und ich sang jedes Mal aus vollem Herzen mit, obwohl ich bis auf das „LaDiDaDa“ rein gar nichts verstand. Mein Musikgeschmack hat sich glücklicherweise weiterentwickelt, wirklich schlecht finde ich den Song aber ehrlich gesagt bis heute nicht. Und nicht zuletzt wecken diese 90er Jahre-Millennium-Songs natürlich nostalgische Gefühle.

03. Britney Spears – Stronger (2000)
Ooops… I did it Again! war das allererste Album, das bekam, und zwar als Geschenk zu meinem zehnten Geburtstag. In den folgenden Wochen lief das dann natürlich rund um die Uhr und Stronger war mein Lieblingslied. Im Booklet der CD waren ein paar Songtexte abgedruckt und ich erinnere mich noch, wie ich mühsam Wort für Wort mit einem alten Wörterbuch übersetzte und mich über die sinnlosen Zusammenhänge wunderte.

04. No Angels – Something About Us (2002)
Bei den No Angels wurde ich zum ersten Mal in meinem Leben zum Fan. Alle CDs wurden gekauft, alle Lyrics auswendig gelernt und sämtliche Zeitungsausschnitte in riesigen Ordnern gesammelt. Meine zwei besten Freundinnen teilten diese Leidenschaft damals glücklicherweise und so verbrachten wir ganze Nachmittage, indem wir gemeinsam Konzert spielten und die Lieder nachsangen. Ich übernahm dabei immer die Parts von Lucy und Nadja. Ach, was hab ich die früher geliebt. Und wenn es nicht die No Angels waren, dann waren es Britney oder Jeanette. Haha, böse…

05. Sugababes – Caught in a Moment (2004)
Im Alter von 12, 13 Jahren veränderte sich mein Musikgeschmack ganz langsam. Immer noch Mainstream-Pop, aber ich begann immerhin ein winziges bisschen über den bisherigen Tellerrand zu schauen. Alben der Sugababes, von Christina Aguilera, Destiny’s Child oder Robbie Williams landeten in meinem Regal, im Fernsehen lief den ganzen Tag Viva und ich war eine eklige, pubertäre Göre.

06. Eric Clapton – Layla (1970)
In der siebten Klasse traf mich erstmals in musikalischer Hinsicht eine kleine Offenbarung. Mein Lehrer hatte auf der ersten gemeinsamen Klassenfahrt seine Gitarre dabei und spielte die ganzen Klassiker. Verknallt habe ich mich damals (neben dem Lehrer) sofort in den Song Layla von Eric Clapton und wollte fortan nichts als auch Gitarre lernen. Erste CDs mit Rock und Blues aus den 70er Jahren fielen mir in die Hände und wow, das hat mir damals ganz neue Welten eröffnet. Außerdem war Eric Clapton zeitweise ein verdammt heißer Typ.

07. Die Ärzte – ½ Lovesong (1998)
Der ½ Lovesong war das erste Lied der Die Ärzte, das ich bewusst hörte. Im Musikunterricht mussten wir uns Lieder überlegen, die wir vor der ganzen Klasse vorzutragen hatten, und zwei Mädchen sangen den Song von Bela und Rod. Ja, der ist von der besten Band der Welt noch immer einer der mainstreamigsten, aber er ist auch einfach schön. Und angesichts meines vorherigen Musikgeschmacks brauchte ich ja schließlich einen sanften Start. Mein Interesse war geweckt und im Laufe der nächsten Zeit kaufte ich alle Alben im Original und wurde zum zweiten Mal in meinem Leben zum waschechten Fan.

08. Die Ärzte – Teenagerliebe (1983)
Teenagerliebe gehörte nie wirklich zu meinen Lieblingssongs der Band, dafür wird er mich aber mein Leben lang an eine ganz wichtige Zeit erinnern: 16 Jahre, Teenager in der allerschlimmsten Phase und vor allem ganz wichtig: mein erster Freund. Der allerbeste erste Freund sogar, den man sich wünschen konnte. Das Lied Teenagerliebe wurde in unserer Klasse damals quasi zur Legende und alle wussten: achja, die beiden. Hach, und schon wieder werde ich nostalgisch.

09. Zaunpfahl – Warum (2007)
Durch Die Ärzte und auch meinen Freund initiiert, rutschte ich für eine Weile in eine Punkphase hinein: unterschiedliche Schuhe gleichzeitig tragen, Stulpen, Nietengürtel, Buttons und Aufnäher, das ganze Programm. Nur einen Iro hatte ich nie, dafür waren mir meine Haare zu schade. Eine meiner Lieblingsbands war damals Zaunpfahl, von denen ich sogar ein ziemlich lautes und ziemlich geniales Konzert in Berlin mitmachte. Jeden Freitagabend haben wir im Zentrum unseres Städtchens verbracht, bis die Pozilei kam und uns des Platzes verwies. Ach, das war eine wirklich lustige Zeit.

10. Kate Nash – Mariella (2007)
Mit Kate Nash habe ich mich über die erste große Trennung hinweggetröstet. Ich brauchte einfach wieder etwas ganz anderes, etwas manchmal Aggressives aber letztlich doch Fröhlich-Optimistisches. Die Songs mit dem bezaubernd britischen Akzent kamen mir damals gerade recht. Aus dem Alter des exzessiven Fan-Daseins war ich nun zwar heraus, trotzdem war Kate Nash aber lange meine Lieblingssängerin und ich bemühte mich, von Alben bis zu B-Seiten an alle Aufnahmen von ihr heranzukommen.

11. Ovo – Volvías a Berlín (2008)
Mit 17 erlebte ich ein weiteres Initiationsritual: die Urlaubsromanze. Auf einer Kreuzfahrt durch das Mittelmeer lernte ich einen zehn Jahre älteren Spanier kennen. So einen Künstlertyp mit dunklen Locken, Fotograf und Musiker, der es mir sofort angetan hatte. Nach dem Urlaub (der Abschied war zugegeben arg tränenreich) verlief der Kontakt zwar relativ schnell im Sande, aber irgendwie schien ich den guten Mann inspiriert zu haben. Er hat ein Lied für mich geschrieben und es sogar aufgenommen. Und wieder fand ich mich beim Übersetzen von Songtexten wieder, diesmal aus dem Spanischen. Wenn ich heute noch ab und zu über die mp3 stolpere, freu ich mich immer wieder, auch wenn Synthie-Pop eigentlich gar nicht so meine Richtung ist. Aber ich meine, wer will nicht ein eigenes Lied geschrieben bekommen?

12. Neil Young – Like a Hurricane (1977)
Gegen Ende der Schulzeit flammte noch einmal ganz besonders stark meine Leidenschaft für die guten, alten Rockstars auf, denn in einer Projektwoche belegte ich einen Gitarrenkurs bei besagtem Lehrer aus der siebten Klasse und entdeckte beispielsweise den Kanadier Neil Young für mich. Wochenlang lief bei mir nichts anderes.

13. Antonio Vivaldi – La Follia (17. Jahrhundert)
Klassische Musik hatte ich schon immer mehr oder weniger gehört und zählte Beethoven, Wagner und eben auch Vivaldi zu meinen Lieblingskomponisten. Die Entdeckung des großartigen Stücks La Follia fiel aber in eine für mich ganz besondere Zeit. Ich hatte mich in meinem Studium zurechtgefunden und verbrachte den Sommer mit einem Praktikum bei moviepilot in Berlin, ich entdeckte mich und ein paar andere Menschen neu. Und noch heute brauche ich nur die Anfangstakte von La Follia hören und befinde mich sofort wieder in dieser Zeit mit einem ganz besonderen Gefühl.

14. Lotus Plaza – Black Buzz (2012)
Mit Black Buzz verbinde ich einen ganz besonderen Nachmittag, einen Spaziergang durch Prenzlauer Berg, eine Reise in die Vergangenheit und ein wunderbares Gefühl von Vertrautheit. Aber auch generell mag ich Alternativen Pop und besonders Folk immer lieber. Eine ganz besondere Schwäche habe ich dabei für den Klang von Banjos entwickelt, deswegen kommen mir die Bands Mumford & Sons und Balmorhea immer sehr gelegen.

15. Alt-J – Something Good (2012)
Irgendwie ist es viel schwieriger, über den gegenwärtigen Musikgeschmack und berührende Lieder zu schreiben als über die Vergangenheit, die man mittlerweile mit einer gewissen Distanz überblickt. Something Good, beziehungsweise das ganze Album An Awesome Wave der Band Alt-J war wahrscheinlich das Album, das ich im vergangenen Jahr am meisten gehört habe. Drei Monate im Sommer bin ich ständig zwei Stunden für ein Praktikum von Mainz nach Mannheim gependelt und diese Musik so oft gehört, dass ich dabei noch immer das Gefühl habe, wieder im Regio zu sitzen. Ganz ähnlich verhält es sich übrigens mit dem wunderbar surrealen Marimba and Shit Drums von Moonface.

Wow, das hat Spaß gemacht. Ich bin gespannt darauf, wie diese Liste zu späteren Zeitpunkten in meinem Leben aussehen wird. Vorerst reiche ich das Stöckchen weiter an den Intergalaktischen Affenmenschen, filmosophie.com, dafür.org, an Gurkknauers Kulturblog und Zeilenkino. Und gerne auch an jeden anderen, der sich bemüßigt fühlt.

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10 Antworten zu “MEIN LEBEN IN 15 SONGS

  1. Bis auf DIE ÄRZTE (die sich wohl in jedem musikalischen Lebenslauf befinden) kenne ich davon fast gar nichts. Okay, die Pop-Hits des Jahrtausendwechsels schon, aber danach irgendwie weniger…

  2. Pingback: Ein Stöckchen, das Musik macht - filmosophie.com·

  3. Bitte, sehr gerne. 🙂

    Eine ganz tolle Liste! Vor allem „Alt-J“. Das höre ich momentan sehr gerne. Ansonsten ein sehr schöner Verlauf, bzw. Wandel deines Musik-Geschmacks. Sehr interessant. 🙂

  4. Pingback: Mein Leben in 15 Songs | gurkknauer's Kulturblog·

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