DIE GROßE L’ÂGE D’OR ANTI-TOPLISTE 2013

Nö. Mit mir nicht. Dieses Jahr nicht. Ich weiß, das wird geradezu erwartet: pünktlich zu Silvester kommen überall die Top- und Floplisten zum Vorschein und natürlich könnte man von einem filmzentrierten Blog wie l’âge d’or erwarten, dass es hier eine obligatorische Top 10 der Streifen aus dem Jahre 2013 zu sehen gibt. Aber wie schon erwähnt: nö. Und zwar aus mehreren ganz einfachen Gründen. Zum einen gibt es Toplisten nun wirklich überall (selbst hier jeden Monat aufs Neue). Zum anderen ändern sich Toplisten wie Meinungen je nach Tagesform. Und zum Letzten habe ich in diesem Jahr einfach zu viele Filme verpasst, von denen ich überzeugt bin, dass sie meine Topliste noch einmal gehörig durcheinander wirbeln würden. Deswegen liste ich hier – quasi als Erinnerung an mich selbst – in unbestimmter Reihenfolge die fünf Filme des Jahres auf, bei denen mich die Tatsache, sie bisher noch nicht gesehen zu haben, am allermeisten zwickt.

Blau ist eine warme Farbe

Schon als ich im Rahmen der Cannes-Berichterstattung das erste Mal von diesem Film hörte, war ich sofort angefixt. Im Herbst habe ich dann fast tagtäglich News über den Streit zwischen Regisseur und Hauptdarstellerinnen verfasst und immer wieder Lobeshymnen gelesen, die mich wahnsinnig neugierig auf das Liebesepos von Abdellatif Kechiche gemacht haben. Beinahe wäre es dann auf der Französischen Filmwoche endlich soweit gewesen – mein Name stand auf der Gästeliste für den Film. Und dann drei Tage vorher die Absage: aufgrund der großen Nachfrage werden keine Plätze für die Presse reserviert. Blöd. Aber noch ist nicht alles verloren. Blau ist eine warme Farbe läuft nach wie vor in den Kinos und ich werde diesen Film definitiv noch sehen. Nur eben nicht so pünktlich.

© Wild Bunch

© Wild Bunch

The Broken Circle

The Broken Circle hatte ich innerhalb des letzten Berlinaleprogramms gar nicht so sehr wahrgenommen – und war dann umso überraschter, als ein Kollegen nach dem anderen von dem belgischen Drama zu schwärmen begann und sogar zugab, das ein oder andere Tränchen im Kino verdrückt zu haben. Seither war die Neugier geweckt – und die Pressevorführungen fanden permanent zu Terminen statt, die sich mit meinen Seminaren überkreuzten. Es war wie verhext. Sehen muss ich das Werk von Felix van Groeningen aber nach wie vor. Weil es irgendwie einfach zum Kanon des Jahres gehört, aber auch, weil ich als bekennender Banjo-Fan neugierig auf die Musik der Bluegrassband der Figuren bin.

© Pandora Film Verleih

© Pandora Film Verleih

Before Midnight

Before Midnight nicht zu sehen, war eine schmerzliche, aber auch sehr bewusste Entscheidung. Denn bei mir war aus unerfindlichen Gründen nach Teil Eins der Trilogie Schluss. Den fand ich genial und deswegen kann ich mir ehrlich gesagt bis heute nicht erklären, wieso mir der zweite Film von Richard Linklater durchgerutscht ist. Aber es ist nun mal Tatsache, und so werde ich mir Before Midnight trotz allen Lobes nicht anschauen, bevor ich nicht Before Sunset gesehen habe. Zeit wird’s.

© Prokino Filmverleih

© Prokino Filmverleih

La Grande Bellezza – Die Große Schönheit

Filme, die ihre Oberfläche perfekt durchkomponieren und dabei in all ihrer Opulenz auf den ein oder anderen schnell substanzlos wirken, haben es mir absolut angetan. Form über Inhalt bedeutet ja schließlich nicht, dass kein Inhalt vorhanden ist. Ganz im Gegenteil – oft transportiert die Oberfläche so viel mehr als jeder wortreiche Dialog, denn es bleibt ja vielmehr dem Zuschauer überlassen, was er mit den visuellen Reizen anfängt. Der große Gatsby und The Bling Ring waren Filme, die mich 2013 in dieser Hinsicht überzeugen konnten – und von La Grande Bellezza – Die große Schönheit erwarte ich mir etwas ganz Ähnliches. Der vielfach ausgezeichnete Film von Paolo Sorrentino lief hierzulande nur leider viel zu kurz im Kino, sonst hätte ich den ganz bestimmt noch rechtzeitig geschafft.

© DCM Film Distribution

© DCM Film Distribution

Frances Ha

Frances Ha sei ein bisschen wie ein weibliches Oh Boy, ließ ich mir sagen. Independent-Regisseur, Schwarzweißfilm, Großstadt, weitgehend orientierunglose_r junge_r Protagonist_in. Oh Boy (ebenfalls einer von diesen viel zu spät gesehenen Filmen) hat mich definitiv gepackt, berührt und nicht mehr losgelassen, gerade auch weil er so wirklich nur in Berlin funktionieren konnte. Frances Ha hingegen spielt in New York City – einer weiteren Stadt, die mich absolut vom Hocker gerissen hat. Und so hoffe ich, auch in diesem Film ein wenig von dem urbanen und so ganz speziellen Geist der Stadt zu sehen – und mich auch ein wenig in der planlosen Protagonistin wiederzufinden.

© MFA Filmdistribution

© MFA Filmdistribution

Wir werden sehen, wieviele Filme ich am Ende von 2014 verpasst haben werde. Fürs Erste wünscht l’âge d’or aber einfach einen Guten Rutsch!

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3 Antworten zu “DIE GROßE L’ÂGE D’OR ANTI-TOPLISTE 2013

  1. Dann halt noch mal einen guten Rutsch. Ich glaube die Filme könnte ich mir auch näher bringen lassen. Ich bin ja nicht so am Ball (höhö, Ball), daß mir sowas sofort ins Auge springt. Ich glaube sogar, daß mein Vorsatz 2014 wird, mich noch mehr zurückzulehnen und mich mehr darum zu kümmern, was ich noch gar nicht genug verarbeitet habe. Da wird mein Türchen zur Welt wohl hauptsächlich in direkter Nachbarschaft liegen. Ich verlasse mich also darauf, daß du mir die Teile empfehlen wirst, so sie denn lohnenswert sind. 😉

  2. Pingback: MEDIA MONDAY #160 | l'âge d'or·

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