BEN STILLER: DAS ERSTAUNLICHE LEBEN DES WALTER MITTY

Jeder von uns kennt das wohl: an einem grauen Tag voller Arbeit, voller nerviger Kollegen und übelriechender Menschen in der stets überfüllten Bahn einfach mal die Augen schließen und sich wegträumen: aus der Alltagswelt heraus in eine bunte und aufregende Fantasie, ein Held mit unvorstellbaren Kräften sein. Wer das kennt, wird sich wohl auch mit dem Protagonisten aus Ben Stillers neuem Film Das erstaunliche Leben des Walter Mitty gut identifizieren können.

© 20th Century Fox

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Walter Mitty (Ben Stiller) erscheint als der personifizierte Durchschnitt. Er fällt in seinen beigen Funktionsklamotten kaum auf und lebt sein Leben Tag für Tag einsam vor sich hin. Nur in seinen hanebüchenden Tagträumen wird er plötzlich zum schlagfertigen Charismatiker oder muskelbepackten Actionhelden. Dabei ist sein Job eigentlich ziemlich interessant: er arbeitet seit Jahren im Fotoarchiv des altehrwürdigen Magazins Life! in New York City, in dessen Büroräumen er auch immer wieder seine neue Kollegin Cheryl (Kristen Wiig) sieht, die es ihm auf den ersten Blick angetan hat. Eines Tages ereilt eine denkbar schlechte Nachricht die Redaktion: das Magazin erscheint künftig nur noch online, die Arbeit an der letzten Print-Ausgabe beginnt. Auf dem Cover soll noch einmal ein spektakuläres Foto des berühmten Fotografen Sean O’Connell (Sean Penn) erscheinen. Es gibt dabei nur ein Problem: Mitty stellt sein komplettes Archiv auf den Kopf: das bewusste Negativ ist verschwunden. Um seinen Job zu retten, begibt sich der ängstliche Walter auf die Suche nach der verlorenen Aufnahme, eine Reise, die ihn unter anderem nach Grönland und Island bringt und ganz neue Talente in dem mausgrauen Archivar erweckt.

© 20th Century Fox

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Das erstaunliche Leben des Walter Mitty begann und ich war alles andere als begeistert. Die Titelcredits verspielt animiert und quietschbunt, sämtliche Oberflächen glänzend und glattpoliert, die Kamera erhaben über dem Geschehen schwebend, die Menschen in ihren Weltklassejobs akkurat frisiert, elegant gekleidet, alles wirkte perfekt, alles war zuviel. Hollywood wie es im Lehrbuch steht. Und dann die Tagtraumsequenzen: seelenloses CGI bis an die Schmerzgrenze; es wirkte, als hätte Ben Stiller seinen Film krampfhaft um die Actionszenen herumgebaut. Ich hatte Das erstaunliche Leben des Walter Mitty schon beinahe endgültig satt, da kam plötzlich die Geschichte in Gang und langsam begann alles einen Sinn zu ergeben.

Irgendwann beginnt Walter nämlich seine Reise, ganz in der Tradition des von David Bowie besungenen Major Tom, der sich mutig in unbekannte Gefilde hinein begibt. Da ließen sie dann langsam nach, die übertriebenen Actionsequenzen, die glatt geschliffenen Settings, und der Film entwickelte sich zur tatsächlich persönlichen und berührenden Geschichte eines Mannes, der sich Hals über Kopf in ein Abenteuer stürzt und dabei feststellt, dass die Realität so viel besser sein kann als die wildeste Fantasie – wenn man es nämlich zulässt und einfach mal macht.

© 20th Century Fox

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Manchmal gerät Das erstaunliche Leben des Walter Mitty dann doch noch einen Tick zu kitschig: der Sonnenuntergang ein wenig zu golden, die Dialoge ein bisschen zu pathetisch. Wer sich aber auf emotionalisierende Formen des Hollywoodkinos durchaus mal einlassen kann, der wird in Das erstaunliche Leben des Walter Mitty mit der äußerst liebevoll und kreativen Umsetzung einer zwar nicht neuen, dafür aber ziemlich sinn- und wertvollen Botschaft belohnt.

Kinostart: 01. Januar 2014

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Eine Antwort zu “BEN STILLER: DAS ERSTAUNLICHE LEBEN DES WALTER MITTY

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