8 AUGEN FÜR EIN HALLELUJA: IN CHINA ESSEN SIE HUNDE

Wenn man eh permanent Filme guckt, dann kann man sie auch gleich gemeinsam gucken. So ist unsere Runde namens 8 Augen für ein Halleluja entstanden, in der wir zu viert einen bestimmten Film schauen und anschließend darüber diskutieren. Aber wir haben auch Zukunftspläne. Aktuell überlegen wir uns Kategorien, zu denen wir dann kleine Werkschauen abhalten können. So etwas nach dem Motto: Filme, in denen Monster vorkommen oder Filme, die in der Antike spielen. Noch brüten wir über einer guten ersten Idee – vielleicht habt ihr ja auch die eine oder andere. In diesem Fall: Immer her damit!

Diesmal: In China essen sie Hunde von Lasse Spang Olsen

© TiMe Filmverleih

© TiMe Filmverleih

Wieso wir den Film ausgewählt haben:

Wenn zwei von vier Leuten einer Runde einen Streifen wärmstens ans Herz gelegt bekommen, dann sollte er doch durchaus eine Überlegung wert sein. Wir sind ja keine Ignoranten. Auf In China essen sie Hunde waren wir deshalb alle gespannt. Außerdem haben sie ja durchaus einen interessanten Stil, die Skandinavier, ob es da nun um Mode, um Design, bildende Kunst oder eben Film geht.

© TiMe Filmverleih

© TiMe Filmverleih

Unsere Wertungen:

Chris:
„“Dänen lügen nicht“ sang der damals noch eine Frisur sein Eigen nennende Otto und log damit selbst, wie wir in In China essen sie Hunde feststellen durften. Sie lügen nicht nur, sie gehen auch so ziemlich allen anderen Sünden nach. Und das auf ziemlich skurrile Art und Weise. Ich war mir den gesamten Film über unsicher, ob ich hier einer Parodie des Actionfilms aufsitze oder nicht. Die Grenzen verschwammen und lösten sich erst zum äußerst gelungenen Ende hin. Vor allem die Actionszenen erinnerten an etwaige große B-Movie-Momente, die das Internet hervorbrachte. Trotz einiger Lache aufgrund der infantilen Gleichgültigkeit, mit der dort mit einem Mord umgegangen und sich unterhalten wurde, zog sich der Film meines Erachtens hin und allein die Erwartung auf einen total überraschenden Twist hielt die Spannung aufrecht. Das große Lob, das mir vorher den Film bezüglich entgegengebracht wurde, fiel ihm leider zur Last wie dem Hauptcharakter seine gute Tat. Einen Squash-Schläger auf das Haupt der Filmemacher für diesen Streifen Skandinavollywood.“
5,5 von 10 im Stadtpark vergrabene Leichen

Kitty:
„Dieser Film war ein Wehwehchen für die Augen. Warum? Die Dialoge waren flach wie die Brüste eines Mannes. Was mich an sich nicht stört, aber gemischt mit einer wahnsinnigen Vorhersehbarkeit wurde es dann doch schmerzhaft. Am meisten nervte mich wohl die Tatsache, dass der Hundesserfilm alles bot, was ich normalerweise mag: komischer Humor, bekloppte Charaktere, alberne Story, Sarkasmus und dennoch (oder gerade deswegen?) sprang da nichts rüber als die pure Lust, den Film mit einem Knopfdruck ins Nirvana des Nichtsehens zu verabschieden. Die paar Punkte gibt’s von mir nur als Anerkennung für das ineinanderverwobene Spiel zwischen dem kulturkritischen Titel und der spannenden Beobachterperspektive auf die Täter, die ja eigentlich nur Opfer sind.“
2,5 von 10 im Stadtpark vergrabene Leichen

Tobi:
„An In China essen sie Hunde konnte ich, was sonst so gut wie nie der Fall ist, ganz unbeleckt herangehen: Ich hatte weder einen Trailer, noch eine Inhaltsangabe, noch sonst irgendetwas anderes von dem Streifen gehört oder gesehen, mal abgesehen vom Namen und der Aussage eines Kommilitonen, dass der Film gut sei. Da ich bei sowas aber generell skeptisch bin, hatte ich also die Möglichkeit mir dieses Machwerk vorbehaltlos in trauter Runde anschauen zu können. Ausgehend von diesem Umstand hatte ich dementsprechend so gut wie keine Erwartungen an den Film, was sich im Nachhinein auch als mein Glück herausstellte, denn wirklich begeistert hat mich In China essen sie Hunde nicht. Der dänische Humor ist nicht so meins und bis auf ein paar lustige Szenen (vor allem die völlig übertriebenen Action- und Schussszenen) fand ich diesen Gangsterfilm-Verschnitt einfach… ich weiß nicht so recht, wie ich es formulieren soll… so ein bisschen wie lauwarme Suppe vom Vortag? Gegessen hab ich, aber so richtig lecker war es nicht. Der Film hat mit Sicherheit ganz viele ganz intellektuelle Botschaften zwischen seinen teils makaberen Szenen versteckt und trifft bei der richtigen Person voll den Nerv, aber ich konnte mich nicht dazu aufraffen, über das Ganze weiter nachzusinnen oder mich noch weiter damit zu beschäftigen. Dafür war der Film zu wenig nach meinem Geschmack. So vergebe ich stark-subjektive 5 von 10 im Stadtpark vergrabene Leichen an diesen skurrilen Gangsterfilm, den ich mir sicherlich nicht noch einmal angucken werde.“
5 von 10 im Stadtpark vergrabene Leichen

Katrin:
„Die ganze Zeit über hatte ich bei diesem Streifen das Gefühl, einen etwas bemühten Abklatsch von Lock, Stock and two Smoking Barrels zu sehen. Ja, da gab es eindeutig witzige Momente, von den Schauspielern so herrlich teilnahmslos vorgetragen, oder die grandios übertriebenen Actionszenen. Auf In China essen sie Hunde einlassen konnte ich mich trotzdem nicht so recht: einerseits der Dogma-inspirierte Realismus-Stil mit Wackelkamera und allem drum um dran. Und dann wiederum diese Abgedrehtheit; in meinem Kopf wollte sich das irgendwie ganz und gar nicht zu einem runden Ganzen formen. Was mir dann allerdings den Film doch noch rettete, war die Schlussszene. Die war nicht nur herrlich absurd, sondern machte aus In China essen sie Hunde letztlich doch noch mehr als pubertären Klamauk: eine moralisch entspannte Abhandlung über Schuld, Sühne und Konsequenzen. Halleluja!“
5,5 von 10 im Stadtpark vergrabene Leichen

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4 Antworten zu “8 AUGEN FÜR EIN HALLELUJA: IN CHINA ESSEN SIE HUNDE

  1. Ich kann euch schon verstehen. Als ich damals einig Facetten abfeierte kam ich auch nicht umhin, den grundsätzlichen Tonus als eher seicht zu kategorisieren. Aber man kann es eben nicht richtig als trivial abtun. Deshalb mag ich In China essen sie Hunde auch irgendwie, weil er sich einer eindeutigen Kategorisierung mit seiner eigenwilligen Mischung entzieht. Gefallen hat er mir nur bedingt, aber ansehen würde ich ihn wohl noch mal.

    • Eine schöne Kritik hast du da geschrieben, die kann ich schon durchaus nachvollziehen. Mir ging es wie gesagt auch so, dass mir der Schluss den Film wirklich gerettet hat: da war es dann eben doch mehr als blöder Actionklamauk.

      • Danke. 🙂
        Ich finde es auch gut, wie du die „Schuld“ ein wenig auf dich nimmst, in dem du sagst, daß es in deinem Kopf nicht zu einem runden Ganzen wurde. Das belebt ja wieder die Idee, daß Kunst durch den Rezipienten stattfindet. (Oder in diesem Fall dann nicht?)
        Vermutlich stößt der Film am ehesten da auf Gegenliebe, wo die Suche nach dem Absurden mit einem gewissen Durst verbunden ist. Ich kann leider auch nicht behaupten, daß ich finden konnte, wonach ich suchen würde.

  2. Pingback: MEDIA MONDAY #126 | l'âge d'or·

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