8 AUGEN FÜR EIN HALLELUJA: FLIGHT VON ROBERT ZEMECKIS

Als blutige Social-Media-Amateurin habe ich mir sagen lassen, dass regelmäßige Rubriken Leser an einen Blog binden. Dieses Manipulationspotential will definitiv genutzt werden, und deshalb verfolgt die neue Rubrik 8 Augen für ein Halleluja ab sofort in regelmäßigen Abständen die Abende, die vier Berliner Filmverrückte mit einem cineastischen Werk ihrer Wahl verbringen. Es wird konsumiert, es wird diskutiert, es wird dokumentiert. Letzteres geschieht in einer kurzen Zusammenfassung hier. Weder der Filmauswahl noch dem Kommentarumfang meiner Mit-Autoren sind dabei Grenzen gesetzt. Nur bemühen wir uns, Filme zu wählen, die wir allesamt bisher noch nicht gesehen haben.

Diesmal: Flight von Robert Zemeckis

© Studiocanal

© Studiocanal

Wieso wir den Film ausgewählt haben:

Es zählt nicht unbedingt zu den leichtesten Übungen, unter Filmstudenten ein Werk zu finden, das wir allesamt noch nicht gesehen und auf das wir halbwegs Lust haben. Im ersten Fall fiel die Entscheidung für Flight, da er uns bequemerweise zur Verfügung stand und wir ihn bisher bei sämtlichen Gelegenheiten verpasst haben. Denzel Washington zählt zu den Schauspielerin mit echtem Können und zumindest in meinem Fall muss ich sagen, dass mich allein der Soundtrack zum Film sofort aufmerksam gemacht hat. Ich meine: „Gimme Shelter“ der Rolling Stones lief im Trailer – da konnte der Film nicht allzu schlecht sein.

© Studiocanal

© Studiocanal

Unsere Wertungen

Kitty:
„Flight ist ein Film, der dazu ermutigt, nie wieder ein Flugzeug zu betreten und gleichzeitig Alkohol und Koks als mögliche Antworten auf nervige Filmmitguckeridioten in Erwägung zu ziehen. Ansonsten: Guter Plot, guter Pilotdarsteller, aber das Standbild zum Schluss war weniger gut. “
7 von 10 kleinen Wodka-Flaschen

ChrisDirty Denzeling
„Im Grunde genommen war der Film wie ein Flug. Nicht, dass er wie im selbigen verging, jedoch war der Anfang effektreich und pompös, mit vielen Ansagen und freudiger Erwartung. Zwischendrin geriet man ziemlich in Konflikt mit den Leuten und deren Problemen, wobei es sonst wenig zu sehen gab, aber am Ende landet er, nachdem er Fahrt aufnahm, sanft und hinterlässt einen am Boden der Tatsachen mit einem merkwürdigen Gefühl im Magen. 
Einer der Schauspieler, dessen Synchronstimme besser ist als seine Wirkliche – Denzel Washington – spielt hier eine zwischenzeitlich wunderbar hassenswerte Rolle, die mit dem Thema Alkoholismus sehr nah und ohne Überzeichnung umgeht. Die Dialoge wirken leider etwas abgedroschen, auch, wenn ich zwischenzeitlich dachte, dass „Whip“ (Denzel Washington) gleich sich selbst aus Training Day zitieren würde. „Ich bin das Gesetz!“ – Diese leicht cholerische Art passt aber auch gut zu ihm. Bonuspunkte kann der Film noch durch John Goodman sammeln, der bei jedem seiner Kurzauftritte mich feixen ließ.“
7 von 10 kleinen Wodka-Flaschen

Tobias:
„Wenn ich das Schauen von „Flight“ in eine billige Metapher packen müsste, währe es wohl diese: Der Film ist ein bisschen wie ein leckerer Bonbon, der aber in den Spielkastensand gerotzt wurde und sich bereits mit einer beachtlichen Menge an Erde umhüllt hat. Ist man so kühn und nimmt den Bonbon trotzdem in den Mund, wird man am Ende sicherlich ein relativ süßes Naschwerk im Mund haben, aber das Knirschen und der fade Beigeschmack von Sand und Katzen-A-A verbleiben doch irgendwie. Soll heißen (vorsicht, unqualifiziertes Statement folgt): Ich fand Denzel Washington überzeugend, wenngleich ich ihn seit seiner Poloch-Archetyp Rolle in „Training Day“ irgendwie nicht mehr so richtig leiden kann. Die Darstellung des Piloten, der mit dem Alkohol-Dämon kämpft und bis zum Ende des Films fortwährend gegen ihn verliert und damit die Situation immer nur noch vertrakter und hoffnungsloser macht, ließ in mir den Wunsch aufkeimen, meine Faust mit erhöhter Geschwindigkeit in des Piloten Gesicht fahren zu lassen. Das heißt wohl, dass Denzel seine Sache wirklich gut gemacht hat. Seinen schauspielerischen Leistungen (Bonbon) gegenüber steht jedoch der ganze Film (Bonbon im Sand), der für mich in weiten Teilen an Fahrt verloren und sich unnötig gezogen hat, was ihm bei meiner Bewertung ein paar Minuspunkte einbringt. Schade, da wäre bestimmt noch ein bisschen mehr drin gewesen! So vergebe ich an dieser Stelle 6 von 10 Punkten an einen starken Hauptdarsteller in einem etwas über-mittelmäßigen Film, der sich jedoch mit Sicherheit nicht in meinen Neokortex einbrennen wird.“
6 von 10 kleinen Wodka-Flaschen

Katrin:
„Trotz der schon erwähnten Synchronstimme hätte ich Flight ja gern im Original gesehen. Denn Denzel Washington scheint hier eine erstaunliche schauspielerische Leistung zu bringen. Im Original wäre das vielleicht noch deutlicher geworden. Fliegen ist das statistisch sicherste Blablablubb und ich mag das zauberhafte Gleiten oberhalb der Wolken auch – trotzdem bin ich froh, in naher Zukunft nicht in ein Flugzeug steigen zu müssen. Bei der Darstellung der Katastrophe haben sich die Macher nämlich nicht von überschwänglichen Effekten verleiten lassen, sondern vermitteln eher ganz realistisch all den Horror eines Absturzes. Nun habe ich Selbigen glücklicherweise nie miterlebt, aber glaube doch, sagen zu können, dass sich Flight in allen Aspekten einem unaufgeregten Realismus verpflichtet sieht. Letztlich ein Film, den ich gern geschaut habe. Aber eben auch einer, der bald ins Nirvana namens ‚Gesehen und Abgehakt‘ eingehen wird. Abgesehen vom Soundtrack. Der ist für die Ewigkeit.“
7 von 10 kleinen Wodka-Flaschen

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2 Antworten zu “8 AUGEN FÜR EIN HALLELUJA: FLIGHT VON ROBERT ZEMECKIS

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