JOSEPH GORDON-LEVITT: DON JON

Ich habe lange keinen Film mehr gesehen, in dem ich die Hauptfiguren derart unsympathisch fand, obwohl ich ihre Darsteller eigentlich mag. Im Grunde spricht das ja durchaus für deren schauspielerische Qualitäten. Trotzdem war der Streifen für mich kein reines Vergnügen. Joseph Gordon-Levitt spielt in Don Jon einen Typen, den ich nicht mal mit der Kneifzange anfassen würde. Bodybuilder, Macho mit Stiernackenansatz, rücksichtsloser Aufreißer, Frauen-auf-ihre-Äußerlichkeiten-Reduzierer, Schönling. Und er hat eine Sucht: Porno. Schließlich ist das doch viel perfekter und unkomplizierter als der ganz reale Tanz. Dann trifft er Barbara (Scarlett Johansson), seine absolute Traumfrau, und muss sich plötzlich entscheiden.

© Ascot Elite

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Barbara ist aber nicht weniger unsympathisch: Schickimicki-Tusse, der geglaubte Mittelpunkt der Welt, stets perfekt gestylt, stets laszives Herumkauen auf einem Kaugummi. Und auch sie hat eine Sucht: Hollywoodromanzen nach Schema F. Nun ließe sich darüber streiten, was weiter von der Realität entfernt ist: RomComs oder Porno? Wahrscheinlich nimmt sich beides nicht viel.

Im Gegensatz zu Steve McQueen, der in Shame 2012 einen sehr tragischen Helden unter Pornosucht leiden ließ, wählt Joseph Gordon-Levitt für seinen Film einen sehr artifiziellen, verspielten, oft sogar überdrehten Stil. Eine große post-postmoderne Collage aus Referenzen, Anspielungen und schnellen Schnitten. Das ist zwar außerordentlich kurzweilig, manchmal aber auch schlicht und einfach zu viel des Guten. Denn es erweckt schon mal den Eindruck, dass der Regie-Neuling ein wenig vor Tiefe zurückschreckt. Falls Gordon-Levitt mit Don Jon – und das wird nie so richtig klar – die Oberflächlichkeit und Künstlichkeit der Genres anprangern will, wird er mit seinem Film dem Anspruch tatsächlich nicht so besonders gerecht. Denn im Grunde funktioniert Don Jon auch nicht anders: ein Held mit einem Problem trifft ein Mädchen, später kracht es gewaltig und letztlich… nun ja, das Schema ist bekannt.

© Ascot Elite

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Dass Joseph Gordon-Levitt es trotzdem hinkriegt, seiner abartigen Figur mit der Zeit definitiv sympathische Momente zu verschaffen, kommt dann doch noch einem kleinen Kunststück gleich. Als Schauspieler zeigt er sich hier von seiner stärksten Seite, als Regisseur werde ich aber einfach nicht schlau aus ihm. Und am wenigstens aus seiner Haltung zur Pornografie. Dass Pornosucht ein echtes Problem ist, steht wohl außer Frage, und genauso ist auch klar, dass ein Großteil der Produktionen einfach grottenschlecht ist. Aber der Konsum von Pornografie per se ist doch um Himmels Willen weder eine Sünde, noch Fremdgehen oder sonst irgendwie moralisch verwerflich. Als solches wird er mir in Don Jon aber streckenweise verkauft. Und das finde ich für einen Film aus dem Jahre 2013 doch reichlich fragwürdig.

© Ascot Elite

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Kinostart: 14. November 2013

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